Montag, 28.01.2013

Die erste Woche in der Ferne

Die erste Woche in China ist schon rum und ich habe noch immer nichts geschrieben. Allerdings funktioniert das Internet bei mir in den Abendstunden nicht wirklich, weshalb sich ein entspanntes Schreiben vor dem Schlafengehen nicht ergibt.

Aber nun endlich folgt der erste und zugleich lange, lange Bericht einer großartigen ersten Woche:

Freitag (oder auch "Der Tag des Visums und der letzten Backkartoffel")

Am Freitag mussten Papa und ich schon 7 Stunden vor Abflug das Auto bepacken und Richtung Frankfurt fahren, da aus verschiedensten Gründen (die hier ungenannt bleiben sollen) mein Visum eben erst am Abflugtag fertig sein sollte. War es dann auch. Zum Glück.

Nach dem Besuch beim Visa Application Service Center (ich bitte darum diesen Eigennamen 4 Mal laut auszusprechen) in Frankfurt, ging es dann weiter zum Flughafen Frankfurt, wo ich 4 Stunden vor Abflug bereits eingecheckt habe und mir einen Platz am Notausgang (Beinfreiheit Halloooo!) sichern konnte. Außerdem musste ich einen 2. Koffer bezahlen (Ok, Papa musste den 2. Koffer bezahlen).Nach Warterei, Essen und ein bisschen Shopping, habe ich mich dann auch verabschiedet und bin zum Gate. Es waren erstaunlich viele kleine Kinder und Babys auf dem Flug nach Shanghai.

Ich saß neben einem Franzosen an besagten Notausgang, wo es allerdings aus der Decke tropfte (auf den Franzosen). Die Stewardess meinte dann als ganz logische und sehr aufmunternde Erklärung, dass das Flugzeug sehr alt sei. Hat man kaum gemerkt. Alles etwas ramschig, kein eigener Fernsehr und der "Große" war so dunkel, dass man nichts gesehen hat. Also habe ich versucht zu schlafen und nicht vom ekeligen Bordessen zu sterben :-D

Flughafen Frankfurt


Samstag (oder auch "Hallo China")

Bei Ankunft in Shanghai um 13 Uhr lief dann alles glatt, mein Fahrer war da (ein Chinese ohne Englischkenntnisse) und ich wurde fast 1 1/2 Stunden in einem auf Saunatemperatur beheiztem VW zur Firma nach Anting (Außenbezirk von Shanghai) gebracht.

Dort wurde ich gleich von einer gleichaltrigen chinesischen Kollegin (Han Ruixue) in Empfang genommen, die mich in meine Bleibe gebracht hat und auch bei den ersten Besorgungen geholfen hat. Außerdem hat sie Hu Qi (Arbeitskollegin von Papa und gerade auch in Shanghai) angerufen. Diese hat mich dann gleich zum Supermarkt gefahren. Dort habe ich für unglaubliche 86€ eine elektrische Heizung, einen Fön, einen Wasserkocher und ganz viel Kleinkrams bekommen :-D
Und da ich glaube ich die einzige Westlerin in dem unglaublich riesigen Supermarkt war, wurde ich auch gut angestarrt. Generell wird man hier immer sehr interessiert bestaunt.

Und dann kam auch gleich der erste Kontakt zur chinesischen Küche, da Hu Qi mich auch zum Abendessen eingeladen hat. In ein Restaurant, bei dem man ähnlich dem Fondue sein Essen in Töpfen kocht. Nur, dass man das Ganze mit Stäbchen macht (ich hatte nach dem Essen fast einen Krampf) und es gaaaaaanz gaaaaanz viel Auswahl gibt. Viel zu viel zum Schaffen :-D Aber es war sehr lecker.

Hu Qi mit Hot Pot Hot Pot Hot Pot

Nach dem Essen habe ich noch eine Arbeitskollegin kennengelernt (Luo Zhen), die meine Nachbarin ist und mich am Montag in den Shuttle Bus begleiten sollte, damit ich auch wirklich in der Firma ankomme....
Und dann.....war ich allein. In meiner Bleibe :-D Oder wie ich sie liebevoll nenne: (R)Unterkunft

Denn so wohnen nicht mal Asylbewerber in Deutschland. Alles ziemlich dreckig und total kalt, weil es keine Heizung gibt (nur eine Klimaanlage). Das heißt ich habe Klimaanlage und meine elektrische Heizung fast ständig laufen und schnattere doch meist. Insbesondere im Bad. Welches ich als echtes Highlight betrachte....kaltes Wasser am Waschbecken, Dreck in allen Ecken und totale Überschwemmung nach dem Duschen (für den ganzen Tag). Aber all dies wusse ich ja bereits vor der Ankunft, weshalb der Schock eher gering war und die Freude um vorhandene Matratzen und Decken umso größer war. Außerdem weiß ich, dass ich nach diesen 2 Monaten definitiv campingfähig bin :-D

Dann noch schnell ausgepackt und ins Bettchen. Geträumt habe ich von Kakerlaken, die mein Baguette essen und ansonsten gut geschlafen.

Ausblick rechts vor dem Haus (vom Hausflur Treppenhaus Mein Eingangsbereich Flur mit schönem und löchrigem PVC Mein Palast Mein Palast Mein humorvolles Badeingangsschild Meine liebe Klimaanlage

 

Sonntag (oder auch "Die gastfreundlichste Person aller Zeiten")

Den Sonntag habe ich dann fast komplett mit meiner Nachbarin Lou Zhen verbracht. Diese 1,55m große und 22 Jahre alte Chinesin ist der wahrscheinlich gastfreundlichste Mensch aller Zeiten.
Sie hat mir die Mall (ca. 15 Gehminuten entfernt) mitsamt Bahnstation für die Fahrt nach Shanghai gezeigt und auch gleich eine Bahnkarte mit Guthaben gekauft. Danach hat sie mich zum Mittag- und Abendessen eingeladen, war mit mir beim Bowling und hat mir ein Teegtränk gekauft!

Ich hab mich schon ganz schlecht gefühlt bei so viel Nettigkeit und hab immer total beschämt "Danke" oder auf chinesisch "xièxie" gesagt.
Auf meine Einladung zum Getränk wollte sie gar nicht eingehen!

Das Essen gefällt mir bisher sehr gut, auch wenn ich das Gefühl habe, dass hier den ganzen Tag gegessen wird. Und, dass es nicht genug sein kann. Außerdem bestellt hier nicht jeder ein Gericht, sondern ganz viele verschiedene und die werden dann in die Tischmitte gestellt und jeder pickt mit seinen Stäbchen darin rum.

P.S: Ich hab Entenzunge probiert!

Lou Zhen mit Pilzen in Sojasauce und Entenzungen Close-up auf Entenzungen und Pilze in Sojasauce Weitere Leckereien Bowling

P.S.S. Der Nachtrag für Montag-Sonntag erfolgt dann heute Abend, ich muss jetzt zur Arbeit :-D