Dienstag, 19.02.2013

Zustände wie im Mittelalter

Gestern Abend war so richtig beschissen (ich entschuldige mich nicht für dieses Wort, denn es gibt meiner Meinung nach keinen anderes Wort, dass die Situation treffender beschreibt).

Nach der Arbeit ging ich erst einmal etwas Kleines in der Mall essen, durch den Supermarkt und dann noch ein bisschen durch einige Geschäfte. Mit Regenschirm bewaffnet machte ich mich dann durch Regen und Wind bei 0 Grad auf den 15minütigen Fußweg zu meiner Unterkunft.
Wie jeden Tag öffnete ich die Tür ohne große Überlegung und blickte in tiefe Dunkelheit. Kein Strom. Mal wieder. Also augenrollend zum Sicherungskasten (die eigentliche Konstruktion an der Wand im Flur ist eine Beleidigung für jeden echten Sicherungskasten – es handelt sich nämlich lediglich um eine Art Brett mit Schalter und Stromding drauf) und den Schalter umgelegt. Nichts. Kein Licht. Keine Heizung.

Also noch ein bisschen weiter am Schalter gewackelt und bei meinen 2 Nachbarinnen angeklopft (Luo Zhen, mein kleines Helferlein ist leider im Krankenhaus in ihrer Heimatstadt und damit unerreichbar). Diese versuchten sich auch noch ein bisschen am Schalter und holten dann einen männlichen Nachbarn (wohl bemerkt, alles in der Kälte im offenen Hausflur). Dieser wechselte meine 2 offenbar durchgeknallten Sicherungen mit denen der leeren Wohnung neben mir und es ging wieder.
Also rein in die Wohnung, Heizung wieder an und davor aufwärmen. 1 Stunde später beim Schneiden meines Obstsalates saß ich plötzlich wieder im Dunkeln. Also wieder raus zum Sicherungskasten und am Schalter wackeln. Nichts. Wieder die Nachbarinnen nerven und den Nachbarn holen. Dieser rät mir die Heizung auszulassen und nur die Klimaanlage zum Heizen zu nutzen...hatte ich schon erwähnt, dass es an diesem Abend arschkalt war?!
Aber zum Retten meines Stromes stimmte ich zu und ließ die Heizung aus. Dann ging der Strom für circa eine halbe Stunde bis meine Nachbarinnen ganz aufgeregt an meiner Tür klopften und mir in gebrochenem Englisch mitteilten, dass mein Sicherungskasten Funken sprüht und verbrannt riecht!
Also habe ich schnell den Schalter umgelegt und es war wieder dunkel. Ich habe dann leicht entnervt gefragt, ob es nicht irgendein „Management“ gibt, dass für die Wohnungen verantwortlich ist und sich darum kümmern könne. Anscheinend nicht oder zumindest nicht mehr an diesem Abend.

Ich habe dann vollkommen gestresst und schockiert Olaf und Kathrin angerufen und mein Leid geplagt und gefragt was ich machen kann. Sie haben mich dann zu sich eingeladen und abgeholt. Mit meinen in fast völliger Dunkelheit (iPhone Taschenlampe Hallo!) gepackten Taschen bin ich dann noch die Stufen heruntergefallen und hab mir den Knöchel umgeknickt.
In Olafs und Kathrins warmer Wohnung angekommen wurde ich dann mit Spiegelei auf Toast und einem eigenen Gästezimmer mit Bad verwöhnt.

Ich bin den beiden so unendlich dankbar für ihre Gastfreundschaft, dass ein einfaches „Danke“ eigentlich gar nicht ausreicht! Sie haben mich vor dem Erfrierungstod gerettet und mich freundlich und offen in ihr Heim eingeladen. Ich bin froh so nette Menschen zu kennen.

Ich habe gut geschlafen und bin dann heute morgen mit Olaf im Auto zur Arbeit gefahren....durch SCHNEE! Jaaaa, es ist so kalt, dass es angefangen hat zu schneien! Und ich sollte die Heizung ausmachen. Haha.

Auf der Arbeit wurde mir von der lediglich chinesisch sprechenden „Verantwortlichen“ für die Zimmer der Schlüssel abgenommen. Ein als Übersetzer fungierender Arbeitskollege aus der Personalabteilung hat mir mitgeteilt, dass jetzt jemand versucht rauszufinden woran das Ganze liegt (à ich erinnere an meinen Steckdosen-Brand vor einiger Zeit!) und es angeblich repariert. Wird sicherlich sehr professionell sein und nicht gefuscht, so wie alles hier in China.

Ich bin gespannt und schaue mal wie der Tag weitergeht...Fortsetzung folgt....